Mittwoch, 17. Dezember 2014

Rezension

Meistens rezensiere ich ja reine Kochbücher und stehe generell Ratgebern, gerade wenn es um Diäten geht, eher kritisch gegenüber. Hier hat mich aber die Neugierde gepackt und habe mich an "Eat to live" von Joel Furhman, erschienen bei Unimedica, herangetraut. Das Buch hat 432 Seiten und die ISBN lautet 978-3-944125-20-6. Zwei Wochen haben der Held und ich uns nach seinen Prinzipien ernährt, damit ich eine wirkliche Beurteilung geben kann.

Schön fand ich das Lesebändchen im Buch, die große und klare Schrift und die moderne Gestaltung mit zwar nicht sehr vielen, dafür aber ansprechenden Bildern. Ansonsten finde ich es durch die Größe und das hohe Gewicht, vor allem da es nicht gebunden ist, leider sehr unhandlich und schwierig zu benutzen. Das Cover ist optisch nicht so meins, da ich sehr dunkle Cover meist nicht sehr ansprechend finde und auch die "Versprechen" die schon dort gemacht wurden, wirken auf mich eher abschreckend.








Gegliedert ist das Buch in zehn Kapitel:
* Wir schaufeln uns unser Grab mit Messer und Gabel - Die Auswirkungen der westlichen Ernährungsweise Teil 1
* Übersättigt und dennoch mangelernährt - Die Auswirkungen der westlichen Ernährungsweise Teil 2
* Sekundäre Pflanzenstoffe - Die Wunderpillen der Natur
* Die dunkle Seite des tierischen Proteins
* Wissen über die richtige Ernährung macht sie schlank
* Sich von Esssüchten befreien
* Eat to live nimmt es mit Krankheiten auf
* Ihr Plan für beeindruckenden Gewichtsverlust
* Unsere Zukunft in der Küche gestalten
* Die eat to live-Rezepte

Bereits hier wird meiner Meinung nach offensichtlich, dass das Buch etwas reißerisch geschrieben ist. Oft klingt es wie eine Dauerwerbesendung im amerikanischen Fernsehen und überhaupt finde ich es auch überdeutlich, dass das Buch für die Gesellschaft in den USA geschrieben wurde, wo die beschriebenen Probleme viel viel mehr zum Alltag gehören als bei uns. Viele typische "Hinhörer-Wörter" werden immer und immer wieder genutzt um die Aufmerksamkeit und Wichtigkeit zu betonen (z.B. "Krebs").
Einiges am Inhalt ziehe ich auch sehr in Zweifel, z.B. Aussagen wie dass man keinen Krebs bekommt, wenn man sich nach seiner Empfehlung ernährt und dass Nudeln gefährlich seien. Einige Aussagen und Bilder finde ich zudem böse triggernd. Demnach hätte ich z.B. Übergewicht und die Durchschnittsfrau sollte wesentlich weniger Kalorien zu sich nehmen als gängige Empfehlungen besagen. Abnahmeversprechen, die gegeben werden, finde ich auch etwas merkwürdig, denn ich habe zB. keinerlei Abnahme erlebt, was wiederum bei Personen, die sich bisher hauptsächlich nach den genannten Klichees ernährten, natürlich ganz anders aussehen kann.
Interessanterweise widerspricht er sich manchmal selbst etwas, bzw. macht einige Seiten später Eingeständnisse (z.B. sagt er, man solle kein Öl verwenden, in seinen Rezepten kommt es aber teilweise dennoch vor, oder er gibt zu dass man, wenn man Sport macht, einen höheren Bedarf hat).

Es gibt aber auch einen erheblichen Teil des Buches, den ich wirklich relevant finde und der mir absolut logisch vorkommt. Für mich ist die Kernaussage, dass der allergrößte Teil der Nahrung aus Gemüse und Obst (von allem so viel wie man möchte und bevorzugt werden sollte das grüne Gemüse) bestehen sollte und man zusätzlich jeden Tag Hülsenfrüchten, sowie eine Portion Nüsse und Samen konsumieren sollte. Ebenfalls gut sind Tofu und Sprossen. Etwas eingeschränkter wurden Vollkorngetreide und stärkehaltiges Gemüse, sowie getrocknetes Obst empfohlen. Nicht essen sollte man seiner Auffassung nach insbesondere Fleisch und andere tierische Produkte.
Die Argumente für diese Ernährungsweise fand ich sehr schlüssig und ich denke auch, dass es generell so sehr gesund und natürlich ist. Es fiel uns auch nicht schwer, das zwei Wochen so durchzuziehen, was aber vielleicht auch daran liegt, dass wir uns meist auch recht gesund und nicht sehr anders ernähren. Allerdings haben wir den Gemüseanteil nochmal erhöht und mittags aßen wir Salat statt Brot mit Avocado oder Gemüseaufstrich. Beides haben wir auch beibehalten. Auch die tägliche kleine Portion Nüsse und Samen gibt es weiterhin bei uns. Der morgendliche Obstsalat stand eh schon immer auf dem Speiseplan.
Desweiteren habe ich nach seiner Empfehlung nur noch wenig gesalzen und das, wo ich vorher ein "gerne noch ein bisschen mehr Salz"-Typ war. So habe ich aber festgestellt, dass es mir mit wenig oder gar keinem Salz oft genauso gut schmeckt. Auch das werde ich beibehalten.
Auch Empfehlungen, wie zusätzliche Bewegung und dass man lernen soll auf seinen Körper zu hören, finde ich gut und richtig. Anmerkungen, wie dass die Ernährung eine persönliche Entscheidung sei, dass er zugibt, dass er auf einige Fragen keine Antwort hat und dass einige Tipps auf verschiedene Krankheiten oder ob man zB Kind oder Sportler ist, angepasst werden müssen, und dass er Verständnis dafür zeigt, dass einem die Umstellung nicht leicht fällt, fand ich ebenfalls positiv und sympathisch.
Desweiteren sind die eh schon guten Blutwerte vom Helden richtig richtig super geworden, was mich schon sehr vom gesundheitlichen Vorteil dieser Ernährung überzeugt hat.

Während dieser zwei Wochen haben wir uns zwar ab und an von den Rezepten im Buch inspirieren lassen, aber nicht so richtig danach gekocht. Mir ist allerdings aufgefallen, dass die Rezepte eher einfach und manchmal ein bisschen belanglos sind und die Angaben variieren, ob sie für x Personen oder x Portionen vorgesehen sind.

Insgesamt würde ich das Buch eingeschränkt empfehlen. Ich denke, dass es viele gute Ansätze und Motivation gibt, um seine Ernährung zu verbessern. Man kann auf jeden Fall Gutes rausziehen. Ich persönlich kann mir aber nicht vorstellen da komplett nach zu leben, da ich gerne auch genieße und auch Brot, Kekse und Kuchen (und natürlich Nudeln!!) etc. auf meinem Speiseplan belassen möchte (da wir eh nicht viel davon essen, finde ich es auch ok so). Leider ist das WIE in diesem Fall meiner Meinung nach ein bisschen in die Hose gegangen und ich glaube, dass die von ihm vorgeschlagene sehr strikte Ernährungsweise für viele sehr schwierig auszuführen und auch etwas demotivierend wäre. Aber wenn man es als Inspiration nehmen kann, dann kann das Buch durchaus was für einen sein.

und hier einige Bilder von den Mahlzeiten aus den zwei Wochen:
abends:












mittags:







morgens:


Vielen Dank an Unimedica/Buch Contact für das bedingungs- und kostenlose Bereitstellen dieses Buches.

Kommentare:

Eva (Der ganz normale Wahnsinn und Ladylike) hat gesagt…

Deine Bilder sehen aber sehr ansprechend aus. Wenn das vorgeschlagene Rezepte aus dem Buch sind, dann wäre es für mich durchaus interessant, trotz der negativen Punkte.

das.Sternenkind hat gesagt…

danke :) die sachen sind allerdings nicht aus seinem buch, bzw ein kleiner teil ist angelehnt.
der rezepteteil ist nur ein sehr kleiner teil vom buch. es nur deswegen zu kaufen wuerde sich definitiv nicht lohnen.

Sie. hat gesagt…

Danke für die Rezension! Habe das Buch auch schon im Auge gehabt, aber so lecker deine Bilder aussehen, auf mich wirkt das nicht wie Essen, das mich auf Dauer zufriedenstellen könnte.
Deshalb habe ich dank deines Posts Geld gespart :)

Der Held hat gesagt…

Moin,

dann muss ich ja auch mal meinen Senf dazugeben - so als Testperson :-)

Das These von Dr. Fughrmann Nährwert/Kalorie satt Nährwert/Gewicht ist an sich logisch und es nicht so schwer danach zu leben. Kann auch echt lecker sein. Für unterwegs klappt das allerdings nicht sonderlich gut. Nicht so einfach 600 gramm Grünzeug im Restaurant zu bekommen :-)

Das Buch hätte um ca 2/3 gekürzt werden könnnen. Er wiederholt sich ständig. Am Ende hab ich das Buch nur noch überflogen weil es langweilig wurde.

Im Buch wird darauf verwiesen, dass man wenn möglich auf alle Kohlenhydtrate verzichten soll und dies auch für Sportler kein Problem darstellen sollte. Für eine kleine Sporteinheit von 45 Minuten mag das zwar noch klappen beim Ausdauersport kam allerdings regelmäßig die Hungerrast. Es ist auch nicht sehr praktikabel sich während einer Rennradtour alle 2 Stunden 600Gramm Gemüse einzuverleiben. Also entweder mit gut gefüllten Kohlenhydtratspeicher los oder doch n paar Riegel mit auf den Weg nehmen.

Beim Blutspenden war man allerdings nach 2 Wochen von meinen Blutwerten gegeistert :-)

Grüße

der Held